Den folgenden Text verfasste ich am 29.3. Heute, Ostersonntag, würde ich noch deutlichere Worte finden und die emotionalen Gedanken vieler Menschen noch klarer formulieren.

Ich würde sagen, dass es Zeit wird, den Bürgern des Landes , vor allem den Schwächeren, Gehör, Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu schenken, ehe sie sich dazu aufgefordert fühlen, sich entweder einer steigenden Depressionskurve, dem Suizid, Wahnvorstellungen, Traumata, steigenden Gewaltdelikten, wirtschaftlicher Ohnmacht, großen Misstrauen, ungesunder Einsamkeit und Isolation noch mehr hinzugeben, als es ohnedies schon vor alledem gab. Die emotionale Stabilität der Menschen hing immer schon an kommunikativer Offenheit, den Tragpfeilern sozialer Beziehungen.

Jede fundierte Recherche zeigt, dass auf Dauer die Belastung der Art und Weise, wie Maßnahmen kommuniziert und umgesetzt werden kaum noch ein Bürger emotional tragen kann. Ich befürchte, wenn das so weiter geht, einige Schwierigkeiten auf uns zu kommen. Denn in der Regel machen einige Gruppen der Bevölkerung nicht lange mit, was ihnen geboten wird. Die fangen an auf die Straßen zu gehen, aus Angst, ihnen würde Ungerechtigkeit angetan werden. Dies könnte zu einer Spaltung führen, die schwer zu administrieren ist.

Der smarte Mensch hinterfragt, bewertet und zeigt auf, sobald eine sinnbefreite Übergriffigkeit stattfindet. Er verstummt nicht, sondern sucht nach Plan B, C, D und auch Z…die es immer gibt und geben sollte.

In meiner Funktion als Therapeutin stelle ich beobachtend und von meinen Klienten reflektierend fest, dass die individuelle Verunsicherung weniger Covid-19 betrifft, sondern eher die Kommunikation der Maßnahmen.

Heute erhielt ich viele Mails von besorgten Klienten, die nicht wissen, wie sie die nebenbei bekannt gegebenen Nachrichten, emotional einordnen sollen:

„Die Maßnahmen werden bis mindestens 20.4 erweitert und danach würde man „sehen“.

Nun, dazu gebe ich ein kleines Statement:

Die meisten Menschen halten sich sehr vorbildlich und brav an die Vorschriften, was wichtig ist. (das Wort Beschränkung halte ich persönlich eher für eine Beschönigung, angenehmer ist es immer, das Kind beim Namen zu nennen).

Sie bleiben zu Hause, wahren Social Distance, verzichten auf Treffen mit Familie und Freunden, ja sogar darauf, zur Geburt ihres Kindes jene mitnehmen zu dürfen, die einem wichtig sind, sie verzichten darauf, zur Beerdigung von Familienangehörigen zu gehen, ihre Existenz weiter aufrecht zu erhalten, mit ihren Kindern Spielplätze aufzusuchen oder auch auf Schlaf, denn viele Pfleger und Ärzte müssen weltweit zur Arbeit, rund um die Uhr.

Die Welt zeigt sich solidarisch. Sie ist bereit, über die Ich Haftigkeit hinaus, weit über den Tellerrand der individuellen Freiheit zu schauen.

Der Bürger ist brav und einsichtig.

Doch alles, hat auch immer zwei Seiten und ich finde, diese zu benennen sollte nicht mehr als moralischer Fehltritt betitelt werden, sondern dem Grundrecht der Meinungsfreiheit, für diese viele Jahrhunderte gekämpft wurde, zugesprochen werden.

Denn Fakt ist, dass zahlreiche brave und vorbildliche Bürger, verunsichert sind. Sie haben Angst und ja auch Panik. Mit der Zeit auch zurecht. Denn die Kommunikation ist weniger Lösungsorientiert oder hoffnungsvoll.

Und zwar nicht zwingend deshalb, weil ein Virus da draußen sein Unwesen treibt, vor dem wir uns in Wahrheit nicht verstecken können und dem sicherlich 70 Prozent aller Menschen früher oder später begegnen werden, sondern weil die sich immer weiter ausdehnenden Maßnahmen in ihrem Umfang enorme Auswirkungen auf das Leben jedes einzelnen haben.

Und diese sind nicht milder zu sprechen, als die Konsequenzen des Virus an sich.
Auch, wenn dies noch versucht wird zu schmälern.

Die Wahrheit ist, dass Menschen mit einem mulmigen Gefühl raus gehen und die Blicke der anderen laut für sich sprechen:“ Hat sie es? Was tut er draußen? Warum sind sie zu viert und nicht nur zu zweit? Leben die wirklich alle unter einem Dach? Ist das regelkonform?“ Ja diese Sätze sprechen Klienten aus, sie sind gedankliche Realität und erinnern an Zeiten, die niemand mehr dachte, erleben zu müssen.

Das ist aus meiner Sicht besorgniserregend. Denn wenn Menschen verängstigt sind, beginnen sie irgendwann damit, nicht mehr zwingend rational zu handeln, sie werden unvernünftig.

Manche von ihnen fürchten die Begegnung mit bewaffneten Polizisten, die sie, nicht nur befragen, sondern auch wieder nach Hause schicken werden , weil sie einen Ausflug in den Wald machten oder auf Decken mit den Kindern in der Wiese spielten, nachdem sie die gesamte Woche im Home Office und Home Schooling in der 2 Zimmer Wohnung verbrachten.
Allenfalls sogar eine Anzeige oder Geldstrafe zu fürchten haben, wie einige meiner Klienten und Freunde rund um den Globus mehrfach berichteten.

Es gibt Menschen, die sehr erschrocken über die Nachrichten sind, die zu 80 Prozent von Corona handeln und den Fernseher gar nicht mehr aufschalten wollen, geschweige denn die Zeitung öffnen oder eine Nachrichten App benutzen.

Es gibt Menschen, die sich zurzeit darüber Sorgen machen, wie sie ihre Miete weiter zahlen können, in Folge sogar ihre Wohnungen kündigen, oder aber auch jene, die ihre Geschäfte nicht nur für zwei Wochen, sondern für immer schließen müssen.

Es gibt Menschen, die ihre Aktien im großen Stil in liquide Mitteln umwandeln und wissen, welche Konsequenzen das alles für die Wirtschaft und den Finanzmarkt haben wird.

Es gibt Menschen, die Angst haben, ihre Eltern vielleicht nie wieder sehen zu können, nicht weil diese am Virus sterben könnten, sondern weil sie schon lange Krebs haben, diesen nun im Endstadium.

Es gibt Frauen und Männer, die alleinerziehend sind und nicht wissen, wie sie über die emotionalen Runden kommen sollen oder mit dem Ex diskutieren, weil dieser/diese aus Angst, vor dem Virus, die Kinder einbehält. Folglich gibt es Kinder, die mindestens einen Elternteil für viele Wochen nicht sehen können.

Es gibt Menschen, die in Ländern festsitzen und nicht mehr nach Hause kommen… für einen unabsehbaren Zeitraum.

Ja und es gibt sehr viele, die nun recherchieren und im Grunde nicht mehr wissen, was sie glauben sollen, weil sowohl Fake News, als auch Verschwörungstheorien im Netz kursieren, die den mühsam aufrecht erhaltenen Menschenverstand noch den letzten Rest rauben.

Ja und es gibt Menschen, die die Meinung anderer so wenig aushalten, dass blockiert, gelöscht, angezeigt, kritisiert und diffamiert wird. Selbst, wenn man sich seit Jahren kannte und bisher auch schätzte. In Zeiten, in denen das Gehirn unter Panik steht, wird vielfach irrational gehandelt. Auch wenn der moderne Mensch von sich behauptet, bewusst und reflektiert zu sein.

Es gibt auch Menschen, die erleben, dass einander nicht mehr Beileid gewünscht wird, wenn ein geliebter Mensch an Covid 19 stirbt, sondern eine Diskussion darüber begonnen wird, was denn nun die wahre Todesursache ist. Sie erleben, was sie vor sechs Wochen noch nicht erlebt hätten. Denn vor sechs Wochen wären sie gefragt worden, wie sie sich fühlen und ob sie etwas brauchen. Jetzt werden sie dazu aufgefordert zu schweigen oder gar dankbar zu sein, dass es sie selbst (noch) nicht erwischt hat.

Es gibt Menschen, die jahrelange Freundschaften verlieren, weil sie eine Meinung haben. Entweder weil sie sich an die Regeln halten oder weil sie diese Hinterfragen.
Natürlich hinter vorgehaltener Hand.

Ja und viele lesen von dem „Horror“, wie sie ihn bezeichnen oder aber auch von den vielen Chancen und Liebesbotschaften, die all das bringen soll und wissen nicht, wohin mit ihren Gefühlen, weil sie niemanden haben, mit dem sie sprechen können.

Heute früh zeichneten wir und die Kinder Bilder für alte und kranke Menschen in Pflegeheimen, die nun keinen Besuch mehr bekommen und nicht wissen, ob sie im Kreis ihrer Familie oder alleine sterben müssen…

Die Angst vor dem konfrontierten Tod führt derzeit weltweit Regierungen dazu, nicht ausreichend kommunizierte und oftmals auch nicht mehr verhältnismäßige Maßnahmen zu ergreifen, die die oben aufgezählten und noch viel mehr Konsequenzen, als wir uns vorstellen können, hervorrufen. Was sollen Menschen in Indien, Brasilien und Afrika tun, wenn sie zu siebt auf sechs Quadratmeter, ohne einen Cent die nächsten Wochen zu haben, bleiben sollen?

Alles was geschieht hat immer zwei Seiten. So ist das Leben. Auch jetzt.

Aus meiner Sicht ist es Sinnbefreit zu ergründen, wieso und weshalb, vielmehr müssen wir uns alle die Frage stellen:

Wie agieren wir während dessen und danach?

Wie geht es weiter und wie gehen wir mit all den Emotionen und Ergebnissen um?

Haben wir nach wie vor das Gefühl der Freiheit und wie können wir es aufrecht erhalten?

Ich persönlich habe nicht mehr das Gefühl, dass Meinungen konstruktiv geäußert werden dürfen… es wird von so vielen Menschen insgeheim nachgedacht, mehr denn je:

Darf ich mich äußern?
Darf ich noch mein Business weiter führen, obwohl Angst und Panik herrschen?
Darf ich ehrlich sagen, wie es mir geht?
Darf ich noch niesen?
Darf ich es mir noch gut gehen lassen?
Darf ich zeigen, dass wir im Garten sitzen oder in der Sonne liegen?
Darf ich sagen, dass Homeschooling Mist ist, obwohl ich Mitglied der alternativen Familien bin?
Darf ich sagen, dass ich überfordert bin?

ja ich persönlich tu mir gerade schwer zu hören: Sei dankbar und Spread Love… denn ich höre jeden Tag von meinen Klienten, wie sie die Kehrseite erleben. Es ist Wenig emphatisch jenen zu sagen, dass sie dankbar sein sollen, wenn sie gerade um ihre Existenz bangen…auch das alles ist, neben all den Chancen, einfach auch eine Realität.

Ich frage mich: halten wir es denn nicht mehr aus, wenn Menschen Angst haben?

Wie lange laufen wir noch vor unseren Ängsten weg?

Wie lange laufen wir noch vor jenen Weg, die sinnvoll und konstruktiv hinterfragen?

Verstoßen wir, wie unsere Vorfahren jene, die ehrlich und unverblümt Schwäche oder gar Missstände zeigen?

Verstummen wir einander, aus Angst von der Angst überwältigt zu werden?

Halten wir denn nicht mehr aus, wenn der Tod, der unweigerlich an jede Türe klopft, uns mit all den Themen der Menschheit konfrontiert, denen wir uns so lange versperrten?

Konsum, Narzissmus, Überheblichkeit und auch der gefährliche „Alles ist Liebe und darf sein“ Gedanke der 68er Bewegung oder aber auch fehl verstandene Kontemplation und Meditationen bewahren uns nicht vor dem, wovor wir uns so sehr fürchten.

Mein Lehrtherapeut Dr. Irvin Yalom sagte: Hinter jeder Panik und hinter jedem Problem, steckt die Angst vor dem Tod. Wenn wir das verstehen, können wir uns selbst endlich befreien…

Wie weit gehen wir, um dieser inneren Betrachtung aus dem Weg zu gehen?

Versteht mich bitte richtig, die Angst die wir haben betrifft nicht zwingend diesen Virus, vordergründig ja, doch es gab schon immer Krankheiten, die von der jeweiligen gesellschaftlichen Struktur nicht sofort bekämpft werden konnten und uns enorme Kräfte und Einsichten abverlangte…nein es ist die Ohnmacht, die wir fühlen, wenn wir von einem unsichtbaren Feind bedroht werden.

Wen können wir dafür verantwortlich machen, dass diese Maßnahmen weltweit gesetzt werden und alles wofür Menschen seit Jahrhunderten kämpften, wie Freiheit, nun von heute auf morgen einfach nicht mehr existent ist? Wer ist dieser unsichtbare Feind?

Es ist die Ohnmacht, die Angst und Panik macht, sobald wir erkennen, dass der so fortschrittliche Mensch der westlichen Welt nach wie vor einen „Feind“ hat…der von jetzt auf gleich, alles mühsam erbaute von uns nimmt…

Die Frage ist: ist wirklich Covid-19, der Feind?

Sind es die ökonomischen, wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen?

Sind es die Maßnahmen?

Sind es die menschlichen Schattenseiten?

Die Politik, der Staat, die Systeme?

Oder ist es etwas, so profundes, wie der Tod…?

Welcher sinnbildlich für das Ende von allem steht, das uns lieb ist. Und den wir seit Anbeginn der Menschheit fürchten und deshalb auch immer wieder aufs neue bekämpfen wollen… mit allen Mitteln….

Jeder Mensch, ausnahmslos, versteht mich richtig, hat ein Leben in Wohlstand und Gesundheit verdient und ja, auch ich halte mich genau deshalb nach Recherchen an die „sinnvollen Vorgaben“ denn sie ordnen sich meinen Wertesystem unter und genau deshalb, frage ich:

Was lernen wir aus all dem – emotional und menschlich, intellektuell und philosophisch, existentiell und sozial-und was zeigt es über uns, wenn wir alle Richtungen betrachten….

Wenn es darum geht, Maßnahmen zu setzen, dürfen wir die emotionalen genauso ins Gewicht legen, wie die Mechanischen. Die Freiheit der menschlichen Seele ist Kinder der physischen gleichzusetzen. Wird das noch immer vergessen?

Der moderne Mensch tut gut daran, zu erkennen, dass er vor etwas ganz anderem davon läuft, als er meint, zu tun.

Wenn es ums „besiegen“ geht, müssen wir uns auch dieser Tatsache stellen und für unsere Werte und vor allem unsere Menschlichkeit einstehen. Jeder auf seine Weise. Ohne Hass. Ohne Hetze. Dafür mit Klarheit, Milde, Präsenz und Güte.